Spielbericht – VAR-Aufregung und eine bittere Pleite

Die nächste Enttäuschung. Nach der Pleite beim Tabellenletzten am vergangenen Montag flogen die Reds gestern nach schwacher Leistung gegen den Vorletzten West Brom aus dem FA Cup. Was ist da denn schiefgelaufen? Wir blicken zurück, auch wenns weh tut.

Liverpool FC – West Bromwich Albion 2:3 (1:3)

Tore:

1:0 Bobby Firmino (5.)
1:1 Jay Rodriguez (7.)
1:2 Jay Rodriguez (11.)
1:3 Joel Matip (ET, 45.)
2:3 Mo Salah (78.)

Aufstellung:

Mignolet – Alexander-Arnold, Matip, van Dijk, Moreno – Can (65. Milner), Wijnaldum, Oxlade-Chamberlain (65. Henderson) – Salah, Firmino, Mané (65. Ings)

Ein wenig überraschend bot Jürgen Klopp eine kaum veränderte Mannschaft gegenüber dem Swansea-Spiel auf. Lediglich Mignolet, Alexander-Arnold und Moreno kamen neu in die Startelf, dafür bekamen Karius, Robertson und Gomez eine Pause. Ein Zeichen dafür, dass der Trainer den FA Cup ernst nimmt und im dritten Anlauf erstmals über die 4. Runde hinaus kommen wollte. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Spielverlauf:

Die Partie begann für den LFC bestmöglich. Von Beginn an war man präsent und versuchte, der Partie den eigenen Stempel aufzudrücken. Die Belohnung folgte nach fünf Minuten. Mo Salah war nach Abstimmungsschwierigkeiten in der Hintermannschaft West Broms frei durch, scheiterte aber an Foster im Kasten. Der Ball landete vor den Füßen von Bobby Firmino, der mit traumhaftem Lupfer zum 1:0 traf.

Von da an ging es jedoch bergab. Im direkten Gegenzug verloren die Reds den Ball im Mittelfeld, Jay Rodriguez konnte ungehindert in den Strafraum eindringen und den Ball zum 1:1 unter die Latte zimmern. Nur vier Minuten später kam es noch dicker, als Emre Can den Ball herschenkte, Gibbs auf der rechten Abwehrseite komplett frei war und in der Mitte erneut Rodriguez frei zum Schuss kam und das 1:2 markierte.

Nach 20 Minuten wurde es erneut turbulent. Simon Mignolet klebte bei einer Ecke der Gäste auf der Linie, McAuley konnte unbehindert zum vermeintlichen 1:3 einköpfen. Erstmals kam aber der Video Assistant Referee (VAR) zum Einsatz und erkannte auf Foul gegen Mignolet, der am Herauslaufen gehindert worden war. Glück für die Reds.

Direkt im Gegenzug dann erneutes VAR-Glück für unsere Jungs. Salah forderte nach einem Zweikampf im Strafraum der Baggies einen Strafstoß, den ihm Schiedsrichter Craig Pawson nach minutenlanger Unterbrechung dann auch zugestand. Firmino konnte die Chance jedoch nicht nutzen und traf nur die Unterseite der Latte.

Noch bitterer kam es in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Erneut vogelwildes Abwehrverhalten des LFC, Dawson tauchte frei im Strafraum auf und seinen Pass in die Mitte lenkte Matip ins eigene Netz.

Auch nach der Pause wurde es zunächst nicht besser. Nach erneutem Bock von Mignolet lag das Leder abermals im Netz, doch das Schiedsrichtergespann entschied zurecht auf Abseits. Klopp versuchte, durch drei Wechsel etwas Leben ins Team zu bringen, aber mehr als der Anschlusstreffer durch Mo Salah (25. Pflichtspieltor der Saison!) sprang nicht mehr dabei heraus und so fliegt der LFC zum dritten Mal in Folge in der 4. Runde aus dem Pokal.

Einschätzung & Ausblick:

Man fühlt sich immer mehr an den vergangenen Januar erinnert. Damals besiegten unsere Jungs Manchester City am Silvestertag, nur um in den folgenden fünf Wochen sieglos zu bleiben (zieht man das knappe 1:0 im FA Cup gegen Viertligist Plymouth ab) und die bis dahin gute Ausgangsposition in der Liga zu verspielen.

In diesem Jahr beendeten die Reds zunächst die ungeschlagene Serie der Citizens, nur um im Anschluss gegen die beiden Schlusslichter der Premier League zu verlieren. Konnte man die Pleite in Swansea noch als einmaligen Ausrutscher abstempeln, so offenbarten sich gestern wieder einmal massive Schwächen, vor allem im Mittelfeld und der Defensive.

Simon Mignolet zeigte sich massiv beeindruckt von seiner Degradierung zur Nummer zwei vor wenigen Wochen und erlebte einen rabenschwarzen Abend. Gut möglich, dass der Belgier gestern sein letztes Spiel im Trikot des LFC gemacht hat.

Nicht weniger fehlerbeladen agierte die Abwehr vor ihm. Das zentrale Duo van Dijk und Matip wirkte komplett von der Rolle, Alberto Moreno erinnerte an seine Leistungen gegen Sevilla (EL-Finale, CL-Vorrunde) und der junge Trent Alexander-Arnold ließ sich durch seine Nebenleute anstecken (bei seinem Alter jedoch verständlich).

Erschreckend auch die Leistung von Emre Can, Gini Wijnaldum und Alex Oxlade-Chamberlain im Mittelfeld. Besonders Can, gegen City noch der absolute Boss in der Mitte des Feldes, agierte oft behäbig, verlor entscheidende Bälle und wurde insgesamt seiner Kapitänsrolle nicht annähernd gerecht. Auch seine Nebenmänner verpassten es, das Offensivspiel der Reds zu beleben und überließen den Gästen zu viele Räume für ihre schnellen Konter.

Eine erschreckende Statistik am Rande: in den letzten drei Spielen bekam der LFC insgesamt neun Schüsse aufs Tor. Sieben davon landeten im Netz. Das Problem ist also nicht, dass wir zu viele Chancen zulassen, sondern, dass so gut wie jeder Schuss auf den Kasten ein Treffer ist.

Bereits am Dienstag geht es weiter mit der Auswärtspartie in Huddersfield. Gegen den von seinem Kumpel und Trauzeugen trainierten Aufsteiger muss Jürgen Klopp Lösungen finden, um nicht noch weiter in die Schusslinie zu geraten. Kritik ist nach den vergangenen Leistungen angebracht, den Kopf des Trainers zu fordern (wie es einige User in sozialen Netzwerken schon wieder tun), ist aber zu diesem Zeitpunkt komplett verfehlt.

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