Vergiss Mein Nicht! Das Januar Transferfenster

Wir sind endlich im Februar angekommen. Damit ist das Wintertransferfenster für diese Saison geschlossen. Auch im Januar ließen es sich die europäischen Topvereine, allen voran die aus der Premier League, nicht nehmen mehrere Millionen in die Hand zu nehmen um ihre Kader zu verstärken und ihre Saisonziele im Mai noch zu erreichen. Auch unsere Reds waren im letzten Monat häufig im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. In den letzten zwei Transferfenstern im Januar war unter Jürgen Klopp die Leihe von Steven Caulker schon das Höchste der Gefühle, doch dieses Jahr gab es einige interessante Deals die wir uns jetzt näher anschauen wollen:

Zugänge

Virgil van Dijk (75 Mio. Pfund; Southampton FC > Liverpool FC)
Nach monatelangem Tauziehen im Sommer mit den Saints ist es Jürgen Klopp endlich gelungen, seinen Wunschtransfer für die Innenverteidigung zu bekommen. Die Reds ließen sich den niederländischen Hünen satte 75 Mio. Pfund kosten, womit er nicht nur der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte sondern auch der teuerste Verteidiger der Welt ist. Klar ist: van Dijk soll der Innenverteidigung, dem scheinbar anfälligsten Mannschaftsteil des FC Liverpool in den letzten Jahren, endlich die gewünschte Stabilität und Ruhe bringen. Ebenso erhofft man sich von ihm, dass er in der Hintermannschaft eine Führungsperson wird und in den entscheidenden Momenten des Spiels die Kommandos gibt.

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An van Dijk hängen viele Erwartungen und aufgrund von Verletzungen und Trainingsrückstand mangelte es ihm im letzten Jahr an Spielpraxis. So waren einige LFC-Anhänger skeptisch ob der holländische Nationalspieler wirklich vom Anfang an das Allheilmittel unseres großen Abwehrproblems sein wird. Doch er legte bei seinem Debüt einen Traumstart hin: In der dritten Runde des FA Cups köpfte er im Merseyside-Derby gegen den FC Everton den 2-1 Siegtreffer in der 84. Minute vor dem Kop End ein und machte sich dadurch bei allen Reds sofort beliebt.
In seinen anderen Einsätzen gelang es van Dijk leider nicht mehr die Fans so in Begeisterung zu versetzen. Bei den zwei Niederlagen gegen Swansea in der Liga und gegen West Bromwich Albion im FA Cup fingen er und die Liverpoolverteidigung sich vier Tore und verloren die Chance sich den nationalen Pokal diese Saison zu holen.
Diese Niederlagen aber bloß an van Dijk festzumachen wäre sehr unfair. Der Niederländer zeigte in allen drei Spielen für die Reds schon sein Potenzial eine Säule in der Abwehr zu werden und lieferte gerade gegen Swansea einige gute Leistung ab.
Unsere Einschätzung: Diese halbe Saison sollte man ihm noch die Zeit und die Chance geben sich an den Verein und den Klopp’schen Spielstil zu gewöhnen und seine Matchfitness wieder zu erlangen. Ab nächster Saison können wir von van Dijk dann Großes erwarten. Um das Defensivproblem komplett zu lösen bedarf es aber wohl noch einiger Verstärkungen.

Tony Gallacher (200.000 Pfund; Falkirk FC > Liverpool FC)

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Ohne große mediale Aufmerksamkeit hat sich Liverpool die Dienste des Talents Tony Gallacher gesichert. Der 18-jährige Linksverteidiger kam für die im heutigen Transfermarkt schlappe Summe von 200.000 Pfund vom schottischen Zweitligisten FC Falkirk. In Schottland kam er diese Saison auf 17 Ligaeinsätze und soll erstmal in unserer U23-Mannschaft zu einem Premier League Spieler reifen. Ein Junge auf den man auf jedenfall ein Auge behalten sollte. Nicht nur da wir bei Andy Robertson schon gute Erfahrungen mit schottischen Linksverteidigern gesammelt haben. Laut Medienberichten waren auch Manchester City und der FC Barcelona an dem Teenager interessiert.

Abgänge
Philippe Coutinho (146 Mio. Pfund; FC Liverpool > FC Barcelona)
Der Wechsel unseres Spielmachers zu den Katalanen war unabwendbar, jedoch war es schon eine Überraschung dass Coutinho jetzt im Januar schon das Shirt der Reds gegen das des FC Barcelona eintauschte. Über den ganzen Sommer versuchten die Spanier unsere Nummer 10 von der Anfield Road loszueisen und auch Coutinho machte keine Anstalten seine Wechselabsichten zu verbergen. Auch im Winter schreckte der FC Barcelona nicht zurück um sein Interesse an den Brasilianer publik zu machen. Mehrere Spieler, die über die Presse Coutinho nach Barcelona lockten und eine zu früh öffentlich gemachte Werbung für Coutnhotrikots von Nike, Barcelonas Trikotlieferanten, waren an Frechheit kaum zu überbieten.

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Sportlich gilt es für Jürgen Klopp nun, die Lücke in der Mannschaft zu füllen die Coutinho hinterlassen hat. Aus dem „FabFour“ ist nun ein dynamisches Trio geworden. Im Januar wurde zumindest kein Ersatz geholt da die Wunschspieler des Trainers nicht zum richtigen Preis zur Verfügung standen. Die hauseigene Ersatzlösung wäre unter anderem Adam Lallana, welcher immer noch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat.
Unsere Einschätzung: Es bleibt abzuwarten ob ein Platz in den Top Vier in der Liga und ein guter Lauf in der Champions League auch ohne Coutinho erreicht werden kann. Seine Dribbelstärke und seine künstlerischen sowie treffsicheren Freistöße werden der Mannschaft schon fehlen. Hier bleibt abzuwarten ob diese Lücke Alexander-Arnold, van Dijk, Oxlade-Chamberlain und ein zwei andere Spieler füllen können. Sollten wir unsere Ziele diese Saison nicht erreichen, dann kann Jürgen Klopp sich auf heftige Kritik von der englischen Presse und auch von einigen Fans gefasst machen. Wir machen uns da weniger Sorgen. Die Mannschaft hat das Potential, keine Frage.

Wir taten, was wir für richtig hielten. Nicht alles lag in unser Hand. Bevorzugten wir es Coutinho zu halten? Natürlich! Jeder weiß das. Aber ich empfand es als vernünftig ihn gehen zu lassen. Die Spieler, die ausgeliehen sind machen Sinn – Marko (Grujic) braucht Spielzeit, Lazar (Markovic) hat lange keine Einsatzzeit gehabt, sowie Jon (Flanagan). Daniel Sturridge wollte auch gehen und mit Roberto (Firmino), Dom (Solanke) und Danny (Ings), vielleicht sogar Mo (Salah) haben wir drei bis vier Spieler in dieser Position.
Aus diesen Gründen haben wir die Geschäfte getätigt, die wir getan haben. – Jürgen Klopp

Daniel Sturridge (Ausgeliehen; FC Liverpool > West Bromwich Albion)
Das Anfang vom Ende für einen unserer treffsichersten Stürmer in den letzten Jahren- Aber auch vom verletzungsanfälligsten. Sturridge lief diese Saison nur 15mal für die Reds auf, zuletzt Anfang Dezember in der Champions League gegen Spartak Moskau. Selbst in den seltenen Momenten in denen er mal fit war, kam er meist nur von der Bank oder musste Neuzugang Dominic Solanke den Vortritt lassen.

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Mit Firmino, Solanke und Danny Ings wäre er wohl sehr selten zum Einsatz gekommen, weswegen ein Leihgeschäft zu West Brom für den Stürmer Sinn macht. Schließlich möchte er vor der WM in Russland noch Spielpraxis sammeln.
Unsere Einschätzung: Im Sommer könnte Sturridge dann wohl den Verein verlassen, was schade ist, da er wenn er vollkommen fit ist ein Stürmer von Topqualität ist. Jedoch zeigte er dies in den wenigen Einsätzen die er zuletzt bekommen hatte, leider viel zu selten.

Lazar Markovic (Ausgeliehen; FC Liverpool > RSC Anderlecht)
Ja, Lazar Markovic ist immer noch ein Liverpoolspieler! 2014 von Brendan Rodgers aus Lissabon geholt kam er in seiner Debütsaison nur sporadisch und unter Jürgen Klopp so gut wie gar nicht zum Einsatz. Dem Flügelspieler fehlt es an Physis und Qualität um sich auf einem Top-Level behaupten zu können. Nach Leihgeschäften zu Fenerbahce, Sporting Lissabon und Hull City ist Anderlecht nun sein viertes Ziel.

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Unsere Einschätzung: Es konnte nie ein Verein gefunden werden der Markovic fest verpflichten wollte, was schon was heißen mag. Ab dem Sommer dürfte der Serbe wohl auch der Anfield Road den Rücken zukehren. Vermissen wird ihn wahrscheinlich niemand.

Weitere Leihgeschäfte brachten den in Ungnade gefallenen Jon Flanagan zu den Bolton Wanderers und die jungen Talente Harry Wilson und Ovie Ejaria jeweils zu den Zweitligisten Hull City und AFC Sunderland, wo sie Spielpraxis sammeln sollen. Ebenso unterschrieb Verteidiger Lloyd Jones einen zweieinhalb Jahresvertrag bei Luton Town und Mittelfeldspieler Cameron Brannagan verlässt den Klub und schließt sich Oxford United an. Der LFC kassierte für ihn eine Ablösesumme von 200.000 Pfund. Sowohl Jones als auch Brannagan wurden von unserer Academy ausgebildet, schafften aber leider nicht den Sprung in die erste Mannschaft

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Fazit
Ein namhafter Neuzugang in der Verteidigung, ein namhafter Abgang in der Offensive und einige Leihgeschäfte von Spielern die kaum oder gar nicht zu Einsatzzeiten kamen. Allgemein können unsere Transfergeschäfte im Januar als positiv bewertet werden. Schließlich ist es uns endlich gelungen mit van Dijk unseren Wunschverteidiger an die Anfield Road zu holen und für Coutinho konnten wir eine stattliche Ablösesumme herausholen.
Jedoch kann man durchaus kritisieren, dass es nicht möglich war den Brasilianer bis zum Ende der Saison zumindest noch halten zu können und sein Abgang könnte uns teuer zu stehen bekommen. Ein weiterer Qualitätsspieler im Mittelfeld hätte uns im Januar ziemlich gut getan. Die Bemühungen Naby Keita schon ein halbes Jahr früher aus Leipzig zu wegzulotsen scheiterten jedoch und eine Verpflichtung von entweder Thomas Lemar von Monaco oder z.B Riyad Mahrez von Leicester City als Coutinho-Ersatz schienen zu diesem Zeitpunkt auch nicht realisierbar zu sein.
In Sachen Transfers befindet sich der LFC am Scheidepunkt. Wir haben gezeigt, dass wir durchaus viel Geld in die Hand nehmen können und werden um unsere Wunschspieler zu bekommen. Andererseits mussten wir auch den Verlust unseres wichtigsten Spielers beklagen. Im nächsten Transferfenster wird sich zeigen ob die Ambitionen des Vereins hoch genug sind um den Kader qualitativ zu verstärken und zeitgleich die Säulen unserer aktuellen Mannschaft zu erhalten.

Geschrieben von Richard Köppe, editiert von André Völkel

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