Saisonrückblick – Teil 2: Transfers

Der große Saisonrückblick

Teil 2: Transfers

Die Neuzugänge Mohamed Salah, Alex Oxlade-Chamberlain, Andrew Robertson im vergangenen Sommer und später dann Virgil van Dijk geben genügenden Gesprächsstoff für die Aktivitäten des Clubs im letzten Jahr. Der Verkauf von Coutinho im Winter, die Arbeit von Michael Edwards im Hintergrund und die bis dato feststehenden Neuzugänge für die neue Saison – mit dem Ende der alten Spielzeit stellt sich die Frage, wie seht ihr die Aktivitäten von Liverpool und die Leistungen der neuen Spieler und deren Effekt auf die Mannschaft? Ein voller Erfolg oder kosteten uns einige fehlende Alternativen und Aktivitäten am Ende vielleicht einige Punkte und einen Titel?

Richard K.: Grundsätzlich bin ich mit unseren Transferstrategie und den Spielern, die wir geholt haben sehr zufrieden. Die Sommerneuzugänge Salah, Oxlade-Chamberlain und Robertson haben mehr Schwung in die Mannschaft hineingebracht, als ich letzten Sommer für möglich gehalten hätte. Besonders hoch anzurechnen ist, dass keiner dieser drei Spieler vor einem Jahr auf dem Radar der ganz großen Klubs stand.

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Ich lege viel Wert auf den Fakt, dass wir nicht wie City, ManU oder Chelsea nur nach Spielern mit großen Namen und noch größeren Ablösesummen gehen, sondern dass wir uns auch einen Spieler wie Robertson holen und ihn in einem Jahr zu einem der besten Linksverteidiger Europas machen. Zusätzlich haben unsere Neuzugänge auch menschlich zur Mannschaft groß beigetragen. Keiner plustert sich durch große Egos oder Starallüren auf, sondern stellt sich mit ausreichend Motivation in den Dienst der Mannschaft. Ein Faktor, der nicht vernachlässigt werden darf!

Doch ich kann nicht alles positiv bewerten. Im Sommer hätte die Innenverteidigung dringend verstärkt werden müssen. Da haben sich in der Hinrunde die fehlenden, qualitativen Alternativen klar bemerkbar gemacht. Das Ablösetheater um van Djik und der vorerst geplatze Transfer waren einfach nur peinlich. Da erwarte ich mir ein bisschen mehr Geschick im Transfermarkt. Auch den am Ende erfolgreichen Transfer von van Djik im Januar möchte ich noch kritisch beäugen. Zwar ist der Niederländer nach einem halben Jahr schon nicht mehr von uns wegzudenken, aber die exorbitante Summe von 78,80 Mio. Euro kann ich nicht gutheißen. Manche sehen es als positiv an, dass der Verein mal Geld in die Hand nimmt um die Wunschspieler zu bekommen. Doch bei den Wahnsinnsmengen an Geld, die im Transfermarkt gerade gebräuchlich sind, wird mir persönlich bei jeden Transfer, der die 40 Mio. Euro überschreitet, flau im Magen.

Dominik R.: Auch hier wieder ein Wort: Fantastisch. Ich glaube man erkennt bei mir so langsam ein Muster. Auch hier wieder die Besonderheit: Ich glaube, ich war noch nie so begeistert von unseren Transferaktivitäten, egal ob nun unter Houllier, Benitez, Hodgson (Entschuldigt die Erinnerung, falls ihr sie bereits erfolgreich verdrängt habt), Dalglish, oder Rodgers. Bei jedem der Manager, die ich als Fan erlebt hatte, gab es immer ein, zwei Sachen in den Transferfenstern, die mich sehr gestört hatte – bb es nun die ganze Torres-Saga, der Verkauf von Alonso, der Balotelli Transfer, oder schlicht jeder einzelne Hodgson Transfer war.

Ausgerechnet in einer Saison, in welcher der komplette Transfermarkt durchdreht bin ich jedoch zufrieden. Aber die Kaderbreite im Mittelfeld! Aber der Torhüter! Aber Coutinho! Höre ich da manche sagen. Die Preise des Marktes waren völlig überdreht und mit zu hohen Preisen, kommt zu hoher Druck auf einzelne Spieler – Die Folgen des Transfermarkt Irrsinns kann man nun an vielversprechenden Spielern die daran wohl scheitern werden vor allem in Barcelona deutlich sehen.

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Ich würde behaupten, wir haben für keinen unserer Transfers viel zu viel gezahlt, sondern recht angemessene Preise gezahlt. Ich war Anfangs skeptisch bei Salah – seien wir ehrlich, niemand hätte diesen Einschlag erwartet -, ich war absolut Begeistert von dem Robertson Transfer und ich war sehr, sehr angetan davon, dass wir uns Chamberlain schnappen konnten und zu Virgil muss ich ja höchstwahrscheinlich erst gar nichts sagen.

Ox wurde dabei von mir nach einigen Bieren schon so manches mal mit “Der wird Couts Nachfolger, weil der verschwindet nächsten Sommer, wartets ab, Kloppo baut den auf” an meine Freunde verkauft. Und seine Entwicklung gibt mir Recht. Coutinho wollte nicht mehr für uns spielen. Seine “Rückenprobleme” immer dann, wenn das Transferfenster offen war sprechen Bände über seine Einstellung – Ich bin froh, dass wir ihn zu so einem Preis verkaufen konnten.

Wir haben keinen 1 zu 1 Nachfolger, aber wir haben sehr gute Transfers getätigt. Wir haben genau die Positionen gestärkt, die wir stärken sollten, wenn es auch menschlich passte und Spieler unter dem dreifachen ihres Marktwertes zur Verfügung standen. Und die bereits feststehenden Transfers von Keita und Fabinho lassen mich sowieso Freudentänze aufführen: Seit Mascherano uns verlassen hatte, predige ich ohne Unterlass, dass wir endlich wieder gute, defensiv orientierte 6er brauchen. Und in diesen verrückten Zeiten 105 Mio für 2 Spieler mit einem Marktwert von 105 Mio Euro zu zahlen, das spricht für sich selbst.

Christian A.: Viele Fans und auch einige Experten waren nach Transferschluss im vergangenen August skeptisch, was die Einkaufspolitik des LFC anging. Klar, man hatte (noch) keinen Stammspieler abgegeben, aber sollten ein zuvor bei Chelsea gescheiterter Ägypter und ein als ewiges Talent geltender Mittelfeld-/Flügelspieler von Arsenal der Mannschaft wirklich nach vorne helfen? Dazu kam mit Dominic Solanke ein sicher talentierter Stürmer, aber was hatte der, abgesehen von einer starken U20-WM denn vorzuweisen?

Ein knappes Jahr später sind diese Stimmen komplett verstummt. Mo Salah hat mit 43 Toren in allen Wettbewerben die vielleicht stärkste Saison eines LFC-Profis überhaupt gespielt, Alex Oxlade-Chamberlain brauchte zwar eine gewisse Eingewöhnungszeit, war aber vom Winter bis zu seinem verletzungsbedingten Saisonaus im April eine tragende Säule in der Mannschaft und Dom Solanke blieb zwar lange das erste Tor verwehrt, er ließ aber dennoch einiges an Potenzial erkennen.

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Dann waren da noch die Leute, die nach Verstärkungen in der Defensive schrien. Sie bekamen mit Andy Robertson einen Linksverteidiger von Vorjahresabsteiger Hull City, der auf den ersten Blick wie ein Back-Up für den sowieso umstrittenen Alberto Moreno wirkte. Nach dessen Alptraumleistung in Sevilla in der Champions League übernahm Robbo seinen Stammplatz und schaute nicht zurück. Die zehn Millionen Pfund für den jungen Schotten waren im Nachhinein betrachtet eine unglaublich gute Investition.

Etwas verspätet kam die erhoffte Verstärkung in der Innenverteidigung. Klopp hatte Southamptons Virgil van Dijk als seinen Mann ausgemacht, im Sommer klappte der Transfer aber nicht, die Saints wollten ihren Abwehrchef partout nicht abgeben. Anfang Januar dann die große Erleichterung. Der Wechsel ging doch noch über die Bühne, wenn auch für eine sehr stattliche Ablösesumme. Van Dijk brachte der bis dahin oft unsortiert wirkenden Abwehr die nötige Ordnung und spielte sich nicht zuletzt mit seinem Siegtor im FA-Cup Derby gegen Everton in die Herzen der Fans.

Gerade zum Ende der Saison zeigte sich aber auch, dass unsere erste Elf zwar mit den allerbesten Teams Europas mithalten kann, danach wird es aber schnell dünn. Als Salah im Endspiel von Kiew verletzt runter musste, konnte Klopp mit Adam Lallana lediglich einen positionsfremden Spieler bringen, dem noch dazu jegliche Spielpraxis fehlte. Auch im Mittelfeld fehlten allzu oft die Alternativen. Hier wurde aber bereits Abhilfe geschafft, mit Naby Keita (RB Leipzig) und Fabinho (AS Monaco) stehen die ersten beiden Neuzugänge für die Zentrale fest.

Bleibt noch der Abgang von Philippe Coutinho im Winter. Der Brasilianer war, wenn er fit war, absolut gesetzt und zeigte in der Vorrunde trotz offen bekundeter Wechselabsichten allermeistens gute Leistungen und verhielt sich professionell. Sorgen, dass die Mannschaft ohne den „little magician“ nicht an die Leistungen der Vorrunde anknöpfen könnte, wurden im Frühjahr schnell zerstreut, auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass wir die Kreativität Coutinhos im CL-Finale gut hätten gebrauchen können.

David G.: Den größten Effekt auf die Mannschaft schreibe ich Virgil van Dijk zu. Seine Präsens allein hat die Defensive unglaublich gestärkt. Fehlende Alternativen haben der Mannschaft auf jeden Fall, Punkte gekostet. Die fehlende Konstanz auf der Torwartposition hat dem Team geschadet. Hier wäre eine klarere Linie von Vorteil gewesen.

Teil 3 – „Hopp oder Top“ sowie die Einzelbewertungen der Spieler folgen!

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