Saisonrückblick – Teil 4: Es kommt Arbeit auf uns zu…

Der große Saisonrückblick

Teil 4: Es kommt Arbeit auf uns zu…

Wenn wir aus sportlicher Sicht die Distanz zu City in der Liga verringern wollen und in absehbarer Zeit noch einmal so eine Leistung in der Champions League abrufen wollen, dann steht den Jungs ein Haufen Arbeit in der spielfreien Zeit bevor. Was fehlt uns um diese Herausforderung bewältigen zu können? Wo müssen wir uns verstärken? Glaubt ihr, dass unsere Jugendmannschaften genügend Potential für die erste Mannschaft produziert haben und generieren können?
Wer schafft den Sprung nächste Saison?

Ihr habt die letzten Teile verpasst? Kein Problem – ein Klick und nachholen:
Teil 1 – Das Ende ist der Anfang
Teil 2 – Transfers
Teil 3 – Hopp oder Top?

Teil 3.2 – Spielerbewertungen

Richard K. : 25 Punkte Abstand auf Manchester City liest sich nicht schön. Der Gewinn der Meisterschaft bleibt der große Traum von uns allen. Doch um die Citizens mit ihren unendlichen Reserven schlagen zu können, benötigt es noch einiger Dinge. Erstens müssen wir mehr Konstanz in der Liga zeigen. Dieses Jahr konnten wir zumindest gegen die kleineren Klubs besser punkten und in Anfield hat es auch keine Mannschaft in der Liga geschafft uns zu schlagen. Doch dafür mussten wir gegen unsere direkte Konkurrenten Punkte liegen lassen. Das 2:2 Unentschieden gegen Tottenham oder die Niederlage bei den Mancs ärgern mich immer noch. Auch zum Anfang der Saison gab es leichtsinnige Punktverluste. Wir müssen von Anfang an uns an der Tabellenspitze festnageln oder mindestens mit einen Maximalabstand von drei Punkten hinter dem Tabellenführer bleiben. Nur wenn wir das ganze Jahr über kontinuierlich oben dranbleiben, entwickelt sich die Siegermentalität, die es braucht um die Premier League zu gewinnen.

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Doch um diese Konstanz zu erreichen braucht es auch einen qualitativ, hochwertigen Kader. Verletzungen oder Sperren von Stammkräften müssen durch einen Spieler mit derselben Qualität aufgefangen werden. Dazu muss jede Position doppelt gut besetzt sein. Momentan mangelt es uns im Sturm, in der Abwehr und im Tor an Alternativen, falls einer unserer Spitzenleute ausfallen sollte. Daher ist es wichtig, dass wir im Sommer den Schwung unserer Champions League Kampagne nutzen, um Top-Leute an die Anfield Road zu locken. Es ist für jeden ersichtlich, dass wir unter Klopp uns stetig nach oben entwickelt haben und das wir unseren Zenit noch lange nicht erreicht haben. Dazu kommt noch eine gute Mannschaftsatmosphäre und ein Trainer, der bekannt dafür ist, einzelne Spieler zu verbessern. Damit sollten wir für junge, talentierte Spieler ein attraktiver Club für den nächsten Schritt in deren Karriere sein.

Im Idealfall bilden wir natürlich unsere Leute selber aus. Mit Trent Alexander-Arnold und Ben Woodburn haben wir schon zwei Leute im Kader, die den Sprung von der Academy nach Melwood erfolgreich absolviert haben bzw. kurz davor sind, diesen zu erreichen. Zusätzlich stehen noch Leute wie Toni Gallacher, Rhian Brewster, Rafael Camacho und Elijah Dixon-Bonner schon in den Startlöchern- Es wird sicher nicht lange dauern bis sie ihre Chance bekommen, ihr Talent in der ersten Mannschaft zu zeigen. Wenn wir alle zwei Jahre ein bis zwei Jugendspieler in die erste Mannschaft hochziehen können, wäre das ein Riesenerfolg für unsere Jugendarbeit. Wenn es natürlich noch mehr schaffen wäre das genial, doch es wäre utopisch und auch leichtsinnig, darauf zu vertrauen, dass wir jedes Jahr eine halbe Premier League taugliche Mannschaft in der Academy ausbilden können.

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Dominik K. :Es ist unbestreitbar, wie weit sich das Team seit Klopp das Manager Amt übernommen hatte entwickelt hat. Hätte mir jemand vor 3 Jahren gesagt, dass wir diese Saison wieder im Champions League Finale spielen werden, hätte ich wahrscheinlich “Ja, verdammt! Auf jeden Fall!” geantwortet, weil ich schon immer ein hoffnungsloser Optimist bin; Einer dieser klischeehaften LFC Fans, die jede Saison meinen: “Nächste Saison wird unsere”. Doch vor allem gegen Ende dieser Saison wich das milde, etwas spöttische Lächeln meiner Premier-League-Fan-Kollegen langsam dem Funken der Angst in ihren Augen. Wir haben in den letzten Jahren sehr solide Arbeit geleistet. Trotz völlig überdrehten Preisen auf dem Transfermarkt haben wir uns nicht verausgabt und unsere Transfers waren tatsächlich eine gute Stärkung für das Team. Wir zeigen unfassbar spaßigen und auch ziemlich erfolgreichen Fussball – die üblichen, bekannten Problem sind jedoch noch nicht ganz vernichtet. Während wir zwar unsere teilweise hanebüchenen Probleme mit der Verteidigung von Ecken durch Van Dijks Koordination und Kopfballstärke wieder in den Griff bekommen haben, fehlt es uns noch immer beim letzten Biss gegen vermeintlich “kleine” Gegner. Das war für mich der Unterschied zwischen ManCity und Liverpool, der Grund der großen Lücke. Während City solide seine Pflichten gegen die Gegner der unteren Tabellenhälfte erfüllte, spielte Liverpool zwar etwa eine absolut fulminante Partie mit dem 4:3 gegen ManCity und fügte dem späteren Meister mit einem der besten Leistungen die ich jemals gesehen hatte seine erste Niederlage zu, verlor jedoch eine Woche später gegen den zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzten Swansea City in einem traurigen Kick.

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Was muss also getan werden? In Sachen Kader-Verstärkung mache ich mir definitiv nach den letzten Transfers keine Sorgen. Unsere jahrelange Problemzone des defensiven Mittelfelds wurde schon jetzt mit absoluten Leistungsspielern gestopft. Auch offensiv wird wohl noch Qualität für die breite kommen. In Sachen Transfers sehe ich zwar noch Arbeit vor uns, gleichzeitig sehe ich die jedoch auch schon in vollem Gange – und das zu meiner vollsten Zufriedenheit. Nein, woran wir arbeiten müssen wurde mir im CL-Finale gegen Real Madrid deutlich. Während wir das bessere Team waren, hatte Real einen riesigen Vorteil: Ihre Erfahrung. Als Salah ausgewechselt wurde, brach in unserem Team eine Nervosität aus, die das komplette Spiel drehte. Obwohl Real Madrid 30 Minuten an die Wand gespielt wurde, reichte ihnen dieser Anflug von Nervosität um das Blatt komplett zu wenden. Diese Klasse, diese Kaltschnäuzigkeit, die Real Madrid dort an den Tag legte kommt von ihrer Erfahrung und ihrer Eingespieltheit. Für mich ist das unser großes Ziel. Wir haben ein sehr junges, sehr talentiertes Team. Wenn wir es nun schaffen, dieses Team miteinander wachsen zu lassen, dann werden wir sehr bald schon wieder Europa so dominieren, wie Real es (leider) gerade macht.
Dabei kann natürlich auch unsere Jugend eine entscheidende Rolle spielen. Die jungen Spieler schon so früh wie möglich mit diesem Team trainieren zu lassen, sie schon jetzt als Teil des Teams zu sehen – was mit einem gemeinsamen Trainingszentrum ja der Fall wäre (auch da wieder absolute Zufriedenheit mit der Arbeit, die im Verein verrichtet wird), wird für die eine oder andere grandiose Verstärkung sorgen. Denn da kommen einige wie Trent Alexander-Arnold auf uns zu. Alleine schon auf Woodburn freue ich mich wie zuletzt höchstens damals auf Suso.

Christian A.: Die spielerischen Fortschritte, die das Team in den knapp drei Jahren unter Jürgen Klopp gemacht hat, sind nicht von der Hand zu weisen. Nach und nach hat der Boss die Mannschaft seinen Vorstellungen entsprechend verändert und so fast alle Mannschaftsteile besser gemacht.
Ich sage fast alle Mannschaftsteile, denn eine Problemzone gibt es meiner Meinung nach noch. Die Torwartposition ist in meinen Augen weiterhin eine Baustelle. Ich möchte anmerken, dass ich diese Einschätzung in keiner Weise nur an Loris Karius‘ Leistung im Finale der Champions League festmachen will. Doch weder der Ex-Mainzer noch der Belgier Simon Mignolet konnten in dieser Saison zu 100 Prozent überzeugen. Ich ziehe ungern Vergleiche zu Manchester United, aber die Mancs haben mit David de Gea einen Torwart, der seinem Team regelmäßig mit Traumparaden quasi im Alleingang Punkte sicherte. Diese Qualität im Kasten geht uns bisher noch ab. Ich will zwar nicht ausschließen, dass sich Karius (oder auch Danny Ward) in diese Richtung entwickelt, die Frage ist, ob wir diese Entwicklung abwarten wollen.
Um über die ganze Saison hinweg in der Liga und der Champions League angreifen zu können fehlt es dem LFC außerdem klar an Kaderbreite. Als zum Saisonende Alex Oxlade-Chamberlain, Emre Can und Adam Lallana verletzt ausfielen, stellte sich das Mittelfeld quasi von selbst auf. Als Mohamed Salah im Finale verletzt raus musste, blieb als Option für den Flügel lediglich der eigentlich positionsfremde Lallana.

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Im Mittelfeld wird Can den Verein verlassen, mit Naby Keita und Fabinho stehen aber zwei wichtige Neuzugänge bereits früh fest. Dazu kommt mit Marco Grujic ein talentierter Spieler aus den eigenen Reihen, der bei seiner Leihe zu Cardiff City auf sich aufmerksam machen konnte. Verstärkung wird nun noch auf den offensiven Außenbahnen benötigt und auch gegen einen weiteren Innenverteidiger hätte ich nichts einzuwenden.
Bleibt die Frage nach dem eigenen Nachwuchs. Hier scheint in erster Linie Harry Wilson prädestiniert, eine Rolle im ersten Team einzunehmen. Auch Spieler wie Conor Masterson schnupperten bereits erste Erfahrung bei der ersten Mannschaft. Ob es ein Spieler schafft, einen kometenhaften Aufstieg im Stile von Trent Alexander-Arnold hinzulegen, fällt zu diesem Zeitpunkt aber wohl noch unter Hellseherei.

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